Wer München kennt, kennt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Praterinsel. Schließlich liegt das Areal der ehemaligen Riemerschmid Likörfabrik im Herzen der bayerischen Hauptstadt und in Sichtweite von Maximilianeum, Deutschem Museum und Maximilianstraße. So beeindruckend die Lage, so turbulent ist auch die Geschichte des Inselgeländes, das als Veranstaltungslocation im Jahr 2010 sein 200. Jubiläum feiert.
Die Säkularisation zwang die Franziskanermönche 1810, ihr bis dahin als Gemüsegarten genutztes Eiland abzugeben. 1300 Gulden zahlte der geschäftstüchtige Wirt Anton Gruber den Mönchen und von da an ging es um leibliche, statt um geistige Erbauung. Benannt nach dem berühmten Wiener Vorbild, lockte die Insel mit Grubers süffigem Bier und ab 1813 mit einem Tanzpavillon. 1817 ersetzte man das hölzerne Pratergebäude durch einen Steinbau.
1867 musste Anton Gruber wirtschaftlichen Zwängen nachgeben und verkaufte das Pratergelände an den Likör-und Essigfabrikanten Anton Riemerschmid, der seine Produktion auf die Insel verlagerte.
1922 baute Prof. Richard Riemerschmid das Haupthaus zu seiner heutigen Form um. Noch immer finden sich im Kern dieses Gebäudes Reste des Praters aus der Biedermeier-Zeit von 1835 und zeugen damit von der ältesten Bausubstanz der Insel.
Der späte Klassizismus wird in der Gestaltung des Fabrik- und Arbeiterwohnhauses deutlich, einem frühen Beispiel der Industriearchitektur. Dabei beeindrucken insbesondere die dreischiffigen Hallen und der Konferenzsaal, die dem Gebäude bis heute trotz vielfacher Umgestaltungen seinen unverwechselbaren Charakter verleihen.
Der Südflügel der Prateranlage besticht durch seinen für die damalige Zeit sehr modernen Innenausbau, der im Zuge der fortschreitenden industriellen Entwicklung erfolgte. So kunden etwa die imposanten Pfeilerhallen von ihrer damaligen Nutzung als Essigfabrik.
1984 verlegte Riemerschmid den Firmensitz der inzwischen angesehenen Likörfabrik vor die Tore der Stadt. Ab diesem Zeitpunkt lag das idyllische Ensemble brach, bis die imposanten Gewölbehallen 1992 renoviert und fortan als Eventlocation betrieben wurden. Seit Februar 2010 wird die geschichtsträchtige Veranstaltungslocation von der auf der Insel ansässigen Eventagentur planworx verwaltet. Sie öffnet damit die Tore der Praterinsel erneut für Events, Kultur und die Öffentlichkeit.